Neubau

In unserer Werkstatt entstehen hochwertige Neubauinstrumente, in denen sich das Wissen und die Erfahrung aus Jahrhunderten europäischen Geigenbaus mit naturwissenschaftlicher Forschung der Gegenwart vereinen.

Durch unsere große Erfahrung mit Restaurationen historischer Instrumente (Stradivari, Guarneri,… ) konnten wir einen außerordentlich reichhaltigen Schatz an Kenntnissen über den Geigenbau der letzten vierhundert Jahre sammeln.

Gleichzeitig arbeiten wir seit vielen Jahren mit Experten verschiedener Fachgebiete (Akustiker, Physiker, Chemiker, …) zusammen, deren Arbeit uns geholfen hat, viele der verloren geglaubten Geheimnisse der alten Meister wieder zu erschließen, zu verstehen und zu nutzen.

Info:
Es scheint aus heutiger Sicht unglaublich, dass die komplexen technischen Zusammenhänge, die für den perfekten Klang entscheidend sind, bereits vor Jahrhunderten entdeckt und in höchster Vollendung umgesetzt wurden. Im Geigenbauhandwerk der damaligen Zeit wurden die Kenntnisse und auch die speziellen Tricks, die den Vorsprung gegenüber der Konkurrenz darstellten, über Generationen hinweg erarbeitet und direkt vom Meister an den Schüler weitergegeben – in vielen Fällen aber leider auch mit ins Grab genommen.

Ein Beispiel dafür sind die Methoden der Lackierung, die die großen Cremoneser Meister bis zu einem Zeitpunkt etwa 1780 angewandt haben. An später gebauten Instrumenten kann man einen komplett anderen Lackaufbau beobachten. Der Grund für diese tiefgehende Änderung ist nicht klar; es ist aber möglich, dass das sehr spezielle Wissen darüber an einem Punkt nicht weitergegeben wurde.

Im Rahmen von Restaurationen hatten wir viele Möglichkeiten, historische Instrumente zu untersuchen und alte Techniken, gerade auch im Bereich Lackarbeiten und -aufbau, zu analysieren und in ihrem historischen Kontext zu verstehen.

Damit ist es uns heute möglich, viele der wieder erarbeiteten Kenntnisse der alten Meister umzusetzen und Instrumente zu bauen, die in den meisten Aspekten an die großen Vorbilder heranreichen.

Wir können sehr genau beschreiben, warum ein Instrument herausragend klingt und ein anderes nicht. Moderne Messtechnik ermöglicht uns, beim Bau die entscheidenden Konstruktionsmerkmale, wie beispielsweise das Resonanzverhalten von Decke und Boden, zu berücksichtigen und umzusetzen. Damit ist der Klang mit größter Zuverlässigkeit planbar. Die überragenden klanglichen Eigenschaften der Instrumente alter Meister können gezielt und wiederholbar erreicht werden. Deswegen ist es auch kein Zufall, dass wir seit vielen Jahren mit unseren Neubauten keine klangliche Enttäuschung erlebt haben.

Durch unsere Erfahrung mit alten und auch viel gespielten Geigen, Bratschen und Celli können wir auch vorhersagen, wie sich ein neues Instrument im Laufe der Zeit entwickeln wird. Wir konstruieren und bauen so, dass Geometrie und Statik des Instruments und damit die klanglichen Eigenschaften dauerhaft stabil bleiben.

Neubau – Carlo Antonio Testore „Tertis“ 1735
Info:
Für unsere Meisterinstrumente verwenden wir immer nur bestes Holz, das nach dem Schlagen für mindestens fünfzig Jahre gelagert wurde. Mit zunehmender Dauer der Lagerung weiten sich die Poren im Holz und die Zellstruktur wird härter. Damit verbessert sich das Schwingungsverhalten.
Stradivari hat, wie viele seiner Zeitgenossen, sein Holz übrigens nicht so lange gelagert. Damals wurde Holz nicht auf einem Fahrzeug transportiert, sondern geflößt. Das Zusammenspiel aus fließendem Wasser und Pilzen, die sich in den schwimmenden Baumstämmen ausgebreitet haben, hat den Abbau von dämpfenden Inhaltsstoffen im Holz beschleunigt.
„Heutiges“ Holz ist nicht besser oder schlechter als damals, aber diese Form der Vorbehandlung des Holzes wird nicht mehr durchgeführt. Deswegen ist eine lange Lagerzeit nötig, um zum gleichen Ergebnis zu kommen. Unsere Untersuchungen haben aber auch ergeben, dass eine Lagerung über ein halbes Jahrhundert hinaus keine weitere klangliche Verbesserung mehr bringt.
Neubau – Guarneri del Gesù „Vieuxtemps“ 1741
Um noch mit einem letzten Mythos aufzuräumen: Ein Instrument muss nicht unbedingt alt sein, um gut zu klingen. Neu gebaute Instrumente erreichen bereits nach kurzer Zeit einen großen Teil ihres Klangpotentials.

Durch die Bearbeitung des Holzes und den Bau des Instruments entstehen Spannungen im Material, die durch die Schwingungen beim Einspielen abgebaut werden; das Holz „schwingt sich frei“. Bei einem gerade fertiggestellten Instrument hat das Holz vor allem von Decke und Boden noch nicht jede mögliche Bewegungsform durchlaufen und setzt den Oszillationen der Saiten noch Widerstand entgegen. Spielt man das Instrument, werden die Bauteile in Vibrationen versetzt und können sich „entspannen“; vergleichbar mit einem Menschen, der nach dem Aufstehen seine Muskeln durch Dehnung und Bewegung lockern kann.

Dieser Prozess dauert einige Wochen, ist aber dann weitestgehend abgeschlossen. Das gilt übrigens vergleichbar für alte Instrumente, die lange Zeit nicht gespielt wurden. Die Befürchtung, ein Instrument verliere seinen Klang, wenn es nicht permanent gespielt werde, ist unbegründet.

Die Entscheidung zwischen einem alten Instrument und einem Neubau ist keine Frage klanglicher Überlegenheit der „Alten“, sondern der individuellen Ansprüche und Wünsche, und ein Stück weit auch der Persönlichkeiten von Musiker und Instrument.

Probieren Sie unsere Neubau-Instrumente einmal in Ruhe aus!